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Ein bisschen Glück für ganz arme Kinder

Die 25-jährige Anna Hastreiter aus Gleißenberg begleitet auf den Philippinen Straßenkinder in einem Heim der Maristenbrüder.

Von Claudia Peinelt   —   30. September 2016

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Anna Hastreiter inmitten ihrer Buben, denen sie mit Spenden ein bisschen helfen will. Foto: Hastreiter

Gleißenberg.

Julius ist einer von vielen Jugendlichen in der Stadt General Santos. Seine Mama starb, als er ein Jahr alt war. Er lebte anschließend bei seinen Großeltern. Diese haben ihn misshandelt, sie gaben ihm die Schuld am Tod ihrer Tochter. Julius wurde in einen Sack gesperrt und in den Fluss gewor-fen – da war er sechs Jahre alt. Ein Mann hat ihn gefunden und über Sozialarbeiter ist er dann im Marcellin Home gelandet.
Als Anna Hastreiter das via Skype-Telefon erzählt, stockt ihre Stimme immer wieder. Die 25-Jährige aus Gleißenberg war vor drei Jahren bereits vier Monate auf den Philippinen. Aufmerksam darauf wurde sie durch die Maristen. Der Maristenpater Crispin Betita gründete vor 25 Jahren das Marcellin Home, ein Heim für Straßenkinder. Er leitet es noch heute.
„Es liegt mir viel daran, diese so ganz andere Welt zu verstehen“, erzählt die Gleißenbergerin. Sie studiert an der TU München Lehramt Berufliche Bildung für die Fachrichtung Gesundheits- und Pflegewissenschaft. Kurz nach dem Taifun Yolanda 2013 kam sie wieder nach Deutschland zurück.
„Und im August dieses Jahres bin ich in das ,Land der Gegensätze‘ zurückgekehrt. In die Idylle von palmenumsäumten Inseln, türkisblauem Wasser, fruchtbaren Reislandschaften. Aber auch in ein Land mit kloakenartigen Flüssen, verbrannten Berghängen, Dunstschwaden durch Müllverbren-nung, nahezu steinzeitlichen Lebensbedingungen, besonders in den Bergregionen und überfüllten Elendsquartieren. Philippinen heißt aber auch: Wohlstand einiger Reicher in den größeren Städten.“

Das Land der Gegensätze

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Ein Familienvan mit Kofferraum Foto: Hastreiter

Das Zuhause von fast 40 Jungen

Das Heim für Straßenkinder „Marcellin Home“ ist derzeit das Zuhause von fast 40 Jungen. „Immer wieder sehe ich, unter welchen unvorstellbaren Bedingungen diese Kinder häufig viele Jahre auf den Straßen überleben. Sie sind meist mangelernährt, ohne Schulbildung, häufig emotional und psychisch verstört, da sie den Gefahren dieses Lebens ungeschützt ausgesetzt sind“, erzählt Anna.
„Es liegt mir viel daran, diese so ganz andere Welt zu verstehen.“  sagt  Anna Hastreiter

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Lesen und Schreiben im Unterricht Foto: Hastreiter

Viele von ihnen verlieren, meist unverschuldet, sehr früh ihre Kindheit, weil sie sich dem rauen, heimat- und familienlosen Leben anpassen müssen, um zu überleben. Meist werden sie aufgrund dessen Opfer krimineller Aktivitäten. Die Jungen, der jüngste ist derzeit sieben Jahre alt, finden in dem Heim Kleidung, ausreichend Essen, werden therapiert und erhalten Schulbildung.
Anna Hastreiter hilft dabei, wo sie nur kann. Die Spendengelder, die sie gesammelt und mitgebracht hat, werden für den täglichen Lebensunterhalt der Jungen verwendet. Auch wurde 2015 ein neues Wohnhaus mitfinanziert, da das bestehende aufgrund von Termitenbefall unbewohnbar war. Einige der älteren Jungen haben durch das im Marcellin Home angebotene Schulprogramm einen Ab-schluss erzielt. Bildung an öffentlichen Schulen ist auf den Philippinen anders als in Deutschland kein freies Gut, sondern unverhältnismäßig teuer.

Die Marcellin Foundation

Jugendliche: Die Marcellin Foundation bemüht sich um Jugendliche aus finanziell und familiär schwierigen Verhältnissen.
Schulbildung: Die Schulbildung für das Marcellin Home kann unterstützt werden.
Konto: Maristen Solidarität International
IBAN: DE73 7435 0000 0001 0006 24
BIC: BYLADEM1LAH, „Schulgeld für Jungen von Marcellin Home“

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Ein Team: Anna und Julius Foto: Hastreiter

Auch Julius hat diesen Abschluss und macht nun ein Studium zur Hebamme und dann weiter zum Krankenpfleger. „Julius ist auch einer meiner Gründe, mich so für das Heim und für die Marcellin Foundation einzusetzen.“ Im Hinblick auf die Zukunft der jungen Menschen wurde und soll vor allem weiterhin mit einem weiteren Teil der Spenden Bildung finanziert werden, so dass sie einen Abschluss in einem Beruf erlangen, mit dem es ihnen möglich ist, ein eigenes, wirtschaftliches Familiensystem zu schaffen.
Anna ist verzaubert von dem Land und den Leuten. „Es ist ein wunderbares Gefühl, wenigstens ein kleines bisschen helfen zu können und in die glücklichen Augen der Jugendlichen zu blicken.“ (cci)