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Gepräch mit Brüdern des Maristenordens aus Aleppo (per Skype) über ihre Arbeit mit bedrohten und bedürftigen Familien in der vom Krieg gezeichneten Stadt.

Reinhold Then: Wie ist die derzeitige Situation in Aleppo am Ende des fünften Jahres des Bürgerkriegs.

Dr. Racha Sabeh: Die Lage der Zivilbevölkerung in Aleppo, ob christlich oder muslimisch, hat sich auch im Sommer 2015 wieder verschlechtert.
Fehlendes Wasser und fehlender Strom haben in der Millionenstadt Aleppo im Nordwesten des Landes, wo die Maristen seit 1904 wirken, zu unbeschreiblichen Verhältnissen geführt.
Die Hilfe unserer Maristengemeinschaft in Aleppo ist daher zunächst eine humanitäre, ohne Ansehen der Person oder Religion. Die Trinkwasserversorgung bei täglich über 40 Grad und die vorausgehende Wasseraufbereitung sind nicht gesichert. Die Hitze und der Durst sind unerträglich.
Somit steht ein elementares Menschenrecht in Frage, denn die Menschen sterben durstig und langsam. Wie das Recht auf Leben, auf Essen und Gesundheit ist der Zugang zu sauberem Wasser ein grundlegendes Menschenrecht.
Fr. Georges Sabeh: Die Enttäuschung der Menschen in Aleppo ist groß, keine Hilfe ist in Sicht. Von beiden Seiten ist die Stadt seit Ende Juli 2012 heiß umkämpft. Nur wenige Stunden war die Stadt in den letzten Tagen mit Wasser und Strom versorgt. Es ist eine Schande.

Gibt es Zeichen der Hoffnung?
Jeder Sonnenuntergang birgt ein Zeichen der Hoffnung, denn nach jedem Dunkel kommt ein heller Morgen. Mit unserem Hiersein sind wir ein Zeichen der Hoffnung. Es gehört zu unserer Berufung, hier bei diesen Menschen zu sein, auch wenn so viele schon gegangen sind, um in eine ungewisse Zukunft außer Landes zu gehen. Deshalb bleiben wir.
Unser Haus, das Haus der Maristen, ist voller Aktivitäten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Nachdem der Schulbetrieb zusammengebrochen ist, versuchen wir in unserem Haus Bildung aufrechtzuerhalten, denn Bildung ist ein Zeichen der Hoffnung. Mit dem Programm „Ich will lernen!“ bieten wir den Kindern abwechselnd Unterricht und Spiel.
In Zusammenarbeit mit 19 anderen caritativen christlichen Organisationen in Aleppo haben wir die Aktion „Milchtropfen“ gestartet. Über 3000 christliche Kinder im Alter von unter zehn Jahren profitieren von einer monatlichen Verteilung von Milchpulver bzw. von Babypulver für Kinder, die jünger als ein Jahr sind. Die monatlichen Lebensmittelrationen aus dem Programm „AL JABAL SALEET“ werden regelmäßig an bedürftige Familien, ohne Rücksicht auf die Religionszugehörigkeit, verteilt. Wer sie empfängt, ist dankbar. Da viele aus den Kriegszonen geflüchtete Familien in Schulen untergebracht sind, wo es im Winter überall an Wärme fehlt, verteilen wir mittels der Aktion „DAFA“ (Wärme) Wolldecken und warme Kleidung.

 

Die Fragen stellte Dr. Reinhold Then, der Diözesanleiter des Katholischen Bibelwerks in Regensburg. Er ist engagiert in der Hilfe für Christen im Heiligen Land.